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Warum die Tube mit schwarzer Farbe bei mir ewig hält

Bei manchen meinen Bildern würde man es nicht unbedingt vermuten: Ich verwende so gut wie gar kein schwarz. Nicht aus Prinzip oder weil ich schwarz nicht mag, sondern weil ich mit der Zeit gemerkt habe, dass es mir beim Malen eher im Weg steht als hilft.

Der erste Grund ist eine kleine Physik-Lektion: Schwarz ist im Grunde nichts anderes als die Abwesenheit von Licht und Reflexion. Sobald aber Licht ins Spiel kommt – und das tut es eigentlich immer, sonst würde man ja gar nichts sehen – wird aus echtem Schwarz erstaunlich schnell etwas anderes. Schwarzes Fell oder Gefieder ist selten wirklich schwarz. Meistens steckt da ein dunkles Blau drin, manchmal Violett, manchmal ein warmes dunkles Rot oder Braun. Reines Schwarz, im Sinne von „hier reflektiert absolut gar nichts", kommt in der Natur überraschend selten vor. Eigentlich nur da, wo kein Licht hinfällt: in einem tiefen Loch oder ganz tief im Ozean. Aber Löcher male ich nicht so oft und die tiefen des Ozeans sind als Motiv auch nur reizvoll, wenn man noch etwas erkennen kann.



Der zweite Grund ist eher ein optischer: Schwarz wirkt auf der Fläche schnell sehr hart und dominant. Es hebt sich aus den rechtlichen Farben heraus, statt sich einzufügen. 

Und dann ist da noch das Mischen, mein eigentliches Lieblingsthema. Sobald Schwarz in eine Mischung wandert, kippt die Stimmung schnell ins Trübe. Aus einem satten Grün wird ein müdes Olivgrau, aus einem warmen Rot ein stumpfes Ziegelrot, ein bisschen schmutzig. Mische ich stattdessen mit einem dunklen Blau oder einem tiefen Rot, bleibt deutlich mehr Leben in der Farbe – und ich bekomme dabei noch viel mehr Nuancen zur Auswahl. Olivgrün und Ziegelrot kann ich auch ohne schwarz mischen, aber sie bleiben freundlicher und lassen sich viel leichter abstufen. Dunkel muss eben nicht automatisch trist heißen.

Heißt das, ich verwende absolut niemals Schwarz? Nein, ganz so radikal bin ich nicht. Ab und zu setze ich es ganz bewusst als Fläche im Hintergrund ein, oder es darf eine kleine Nebenrolle spielen – ganz am Schluss, für einen einzelnen Akzent oder einen winzigen dunklen Punkt, der die umliegenden Farben noch heller leuchten lässt. Und da wären wir wieder bei den Löchern, von denen vorhin schon die Rede war und die es in der Natur ja so selten gibt. Eines davon male ich nämlich ziemlich regelmäßig: die Pupille im Auge. Dieses winzige Loch ist auch in meinen Bildern fast immer völlig schwarz.

Bei diesem Raben habe ich nur im Hintergrund bewusst schwarz genutzt, um einen Kontrast zu erzeugen.
Bei diesem Raben habe ich nur im Hintergrund bewusst schwarz genutzt, um einen Kontrast zu erzeugen.


 
 
 

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