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Warum Kunst kaufen? Gedanken einer Künstlerin über Nutzen, Schönheit und persönliche Werte

Ganz ehrlich, wozu braucht man so ’nen Sch*!?**“

Das waren die Worte eines Mannes zu seiner Partnerin, als sie gemeinsam vor dem Schaufenster einer Galerie in Schwäbisch Gmünd standen. Ich habe diesen Satz sehr deutlich gehört und natürlich hat er mich kurz stutzen lassen. Nicht zuletzt, weil ich gerade aus genau dieser Galerie kam, in der auch zwei Kunstwerke von mir hingen.

Auf dem Heimweg habe ich darüber nachgedacht, was ich diesem Mann – oder generell Menschen, die sich fragen „Was soll das eigentlich mit der Kunst?“ – antworten würde.

Die ehrliche Antwort: Gar nichts.

In diesem Artikel möchte ich dir erzählen, warum ich nichts sagen würde, was hinter dieser Haltung steckt und warum die Frage „Warum Kunst kaufen?“ vielleicht ganz anders gestellt werden sollte.

Besucher in einer Galerie in Schwäbisch Gmünd
Zwei Kunstliebhaber in der Galerie. Diese zwei wissen Kunst vermutlich zu schätzen.

Brauchen wir Kunst?

Und was heißt eigentlich „brauchen“?

Fragt man Künstler:innen oder Kunstliebhaber:innen: „Brauchen wir Kunst?“, kommt meist sofort ein überzeugtes „Natürlich!“ – inklusive guter Argumente für die Kunst.

Aber der Mann vor der Galerie? Ich vermute, dass er mit bildender Kunst generell wenig anfangen kann. Wahrscheinlich ging es ihm nicht um ein bestimmtes Werk, das er dort gesehen hat, sondern um Kunst an sich.


Und weißt du was? Dieser Mensch braucht offenbar keine Kunst.

Ein Kunstwerk hat keinen Nutzen im engsten Sinne.

Es macht uns nicht satt.

Es hält uns nicht warm.

Es sichert nicht unsere Existenz.


Aber genau das gilt auch für so vieles andere.


Alles Schöne ist eigentlich „unnötig“

Musik. Filme. Geschichten. Schmuck. Eigentlich fast alles, was wir als schön empfinden, ist nicht lebensnotwendig.

Der Kaffee am Morgen? Ein Glas Wasser würde es auch tun.

Die hübsche Bluse oder das schicke Hemd? Das alte Sweatshirt von vor 20 Jahren erfüllt seinen Zweck auch – selbst mit kleinen Löchern.

Ja, diese Gedanken sind vielleicht ein bisschen überspitzt. Aber im Kern geht es doch um etwas anderes:

Wir machen uns mit all diesen Dingen das Leben schöner.

Gutes Essen. Schöne Kleidung. Erlebnisse, die uns Freude bereiten.


Kunst ist wie Parfüm (auch wenn ich es selbst nicht mag)

Wenn ich sehe, dass sich jemand ein teures Parfüm kauft, denke ich nicht: „Wofür braucht man den Mist?“ Obwohl ich persönlich Parfüm nicht viel abgewinnen kann. Starke Düfte machen mir Kopfschmerzen, und ich empfinde sie oft schon nach kurzer Zeit als unangenehm.

Und trotzdem verstehe ich es.

Parfüm kann ein gutes Gefühl geben. Es kann Erinnerungen wecken. Es kann Selbstbewusstsein schenken.

Genauso funktioniert Kunst.


Kunst kaufen ist keine Rechtfertigungsfrage

Natürlich kann man argumentieren, dass wir Essen und Kleidung sowieso brauchen – dann eben in schön und lecker.

Aber was ist mit Schmuck? Parfüm? Kunst?

Ja, man könnte darauf verzichten. Es ist nicht lebensnotwendig.

Aber alles, was uns Freude bereitet, ist sein Geld wert.

Egal ob jemand Romane liest, Schallplatten sammelt, verreist, ins Kino geht – oder eben Kunst kauft.

Wenn das Betrachten, Sammeln oder Leben mit Kunst dir etwas gibt, dann ist das Grund genug.

Und ganz ehrlich: Niemand hat das Recht, das zu kritisieren.


Fazit: Warum Kunst kaufen?

Nicht, weil du Kunst "brauchst". Nicht, weil es einen Zweck erfüllt. Sondern weil Kunst etwas mit dir macht.

Und das reicht vollkommen aus.

 
 
 

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